Mauritius
(August 2003)
Einführung: Beste Reisezeit zum Gleitschirmfliegen auf Mauritius ist ab Ende November bis Mai. Hauptfluggebiet sind der Nordwesten, aber auch im Süden soll es Flugberge geben. Allerdings sind die Flugberge am besten mit einheimischen Piloten zu finden, da sich diese abseits befahrbarer Straßen im Landesinnern befinden und fast ausschließlich mit 4-Rad-Antrieb zu erreichen sind.
Südwestküste Abgeerntete Zuckerrohrfelder Hügelketten mit abgeernteten Zuckerrohrfeldern
Bergrücken Strand Eau de Deuce Strand Gecko
Bei meinem Besuch im August 2003 war Monsunzeit, viel Wind und ziemlich kalt. Die Außentemperatur stieg selten über 24° C und täglich gingen Regenschauer nieder. Vor meinem Abflug hatte ich per Internet Kontakt zum dortigen Gleitschirmclub aufgenommen und mein Kommen angekündigt. Per Mail machte man mir aber keine großen Hoffnungen auf fliegbare Tage, da während dieser Jahreszeit der Wind zu stark zum Gleitschirmfliegen sei.
Auf Mauritius angekommen, nahm ich telefonischen Kontakt zu Patrick und Hans vom dortigen Club auf. Hans ist ein Elsässer, welcher schon seit vielen Jahren auf Mauritius lebt und Deutsch spricht. Patrick ist ein Einheimischer und spricht außer der Landessprache auch Englisch. Umgangssprache ist Französisch. Da mein Hotel an der Ostküste lag, vereinbarten wir, daß ich ihn anrufen sollte, wenn das Wetter eben an dieser Ostküste fliegbar sein sollte, denn meistens wäre das Wetter an der Ostküste schlechter als an der Südküste.
Die Tage vergingen ohne eine Wetterbesserung. Die Wassertemperatur betrug um die 22° und durch die kalten Außentemperaturen und den ständigen Wind gingen nur ganz Hartgesottene ins Wasser. Die einheimischen Angler waren gekleidet wie wir Europäer im Herbst. Eines morgens meldete sich Patrick und signalisierte für den heutigen Tag fliegbare Bedingungen. Wir vereinbarten einen Treffpunkt gegen 14.00 Uhr in der Nähe von Long Mountain. Die Fahrt von der Ostküste an die Westküste zur Hauptstadt Port Louis dauerte etwa 90 Minuten.
Als Flugberg wurde mir der Flugberg Long Mountain beschrieben, welcher in der Landkarte als Ort verzeichnet war. Von der Autobahn Richtung Süden kommend fährt man durch Port Louis durch und im Kreisverkehr mit dem unübersehbaren Monument nimmt man die Abfahrt Long Mountain. Dort immer der Straße folgen, durch Long Mountain durchfahren bis zum Ort Notre Dame. Hans wartete dort schon an der Kreuzung auf mich und wenig später waren wir am Flugberg angekommen. Die Startplätze liegen auf verschiedenen Höhen ab etwa 60 Meter bis 250 Meter, je nach Windstärke und sind Nord/Nordwest ausgerichtet.
Mit Hans stieg ich auf den Startplatz in 250 Meter auf. Dort blies ein etwa 30er bis 35er Wind. Für meine Verhältnisse leider zu stark. Hans erzählte mir, daß die Winde auf Mauritius in etwa immer so stark wären und alle Piloten den Rückwärtsstart beherrschen. Nachdem Hans fertig war, zog er seinen Schirm rückwärts auf. Der starke Wind riß die Kappe sofort hoch und katapultierte Hans vom Boden weg. Noch in der Luft und nach Rückwärts schauend kontrollierte er seinen Schirm und drehte sich in einer Höhe von etwa 10 Metern aus. Später erfuhr ich, daß die meisten der hiesigen Piloten diese Technik des Ausdrehens in der Luft ausüben.
Ich beobachtete Hans, wie er im laminaren Wind Höhe machte, dabei aber kaum Vorwärtsfahrt hatte. Nachdem er den ersten Gipfel überhöht hatte ging er auf Strecke Richtung dem Berg Pieter Both und entschwand meinem Sichtfeld. Zwischenzeitlich legte ich auch meinen Schirm aus, aber der Wind nahm noch mehr zu und blies mir den Schirm durchs Gras ins Gestrüpp. Also packte ich meine Sachen wieder zusammen und wartete. Etwa eine Stunde später sah ich ein weiteres Fahrzeug kommen, aus welchen Gestalten mit Säcken anmarschierten. Es war Patrick und eine Gruppe von Piloten. Ich ging ihnen entgegen und sie sagten mir, daß der Start bei solch einem starken Wind von weiter unten, dem etwa 60 Meter hohen unteren Startplatz erfolgen kann und man anschließend der aufsteigenden Hangkante folgt, um Höhe zu gewinnen. Hier weiter unten blies der Wind nicht mehr so heftig und mit Haltehilfe beim Rückwärtsstart war ich schnell in der Luft. An der Hangkante ging es aufwärts wie per Lift. Absolut ruhige laminare Luft und nur Steigen. Schnell hatte ich Gipfelhöhe erreicht und folgte einem einheimischen Piloten Richtung Berg Pieter Both. Höhe verlor ich nur bei Talquerungen, aber sobald wieder ein Berg erreicht ist, trägt der Wind den Schirm wieder nach oben. Unterwegs dann Wolkenberührung und kleinere Regenschauer, aber sobald die Wolke passiert ist, Sonne pur. Die Landung erfolgte nach etwa 2 Stunden in der Dunkelheit im Scheinwerferlicht der Autos auf einem großen abgeernteten Zuckerrohrfeld. Es war unglaublich an diesem Tag, denn der laminare Wind trug sogar noch bei Dunkelheit. Nach mir landeten noch weitere Piloten.
Mauritius eignet sich auch zum Streckenfliegen. Als Außenlandemöglichkeiten empfehlen sich die vielen Strände oder die riesigen Zuckerrohrfelder, welche die Landschaft prägen.
Die weiteren Tage waren leider wieder mit viel Wind und Regen sehr durchwachsen und so blieb es bei diesem einen unvergeßlichen Flug auf Mauritius.
Long Mountain Landefelder Long Mountain Flug Richtung Pieter Both
Fliegen unterm Regenbogen Startplatz am Long Mountain
Start- + Landeplatz Long Mountain
E-Mail: wolfgang.racer@gmx.de