Bedingt durch die neuesten Vorschriften bezüglich Handgepäck (keine Flüssigkeiten mehr) sind die Gewichtsprobleme beim Reisen mit Motorschirm nicht kleiner geworden und da diese Reise eine Erholungsreise mit Frau und unserer 7 Monate alten Tochter ist, reisen wir mit sehr viel Gepäck. Bei der Buchung habe ich darauf geachtet, daß wir mit Condor fliegen, denn hier gibt es die Möglichkeit gegen einen Betrag von EUR 50,00 Sportgepäck (Gleitschirm) aufzugeben, was ich für beide Erwachsene buche. Wir verfügen also über 90 kg Freigepäck, was leider nicht reicht. Und da ich der einzige Träger bin, nehme ich das Angebot einer befreundeten Flugschule an, den Miniplane 125 mit TOP 80 Motor, welcher inclusive Gurtzeug 18,5 kg wiegt anstelle des Fresh Breeze Solo, mitzunehmen. Da sich die Übergabe des Top 80 Motors immer wieder verschiebt, plane ich zweigleisig und packe auch schon meinen Solo-Motor. Einen Tag vor Abreise erhalte ich dann doch noch den Miniplane 125. Leider bleibt keine Zeit für einen Testflug, sondern nur eine Trockeneinweisung. Beim Packen stellt sich dann heraus, daß das Packmaß bedingt durch das Gestell um einiges größer als beim Solo-Motor ist. Der Käfig, welcher aus einem sehr biegsamen Angelruten-Material besteht, ist zerlegt 120 cm lang. Um dieses Maß zu verpacken bleibt mir als Möglichkeit nur die Tasche eines Eishockey-Torwartes, in welche dann alle Teile hineinpassen. Beim Durchleuchten des Gepäcks in Frankfurt habe ich wieder Glück, daß diese Tasche in voller Länge gerade noch so durch das Gerät paßt. Auch die Tatsache daß ich mit Frau und Kind reise, macht es etwas leichter. Nach etwa 12-stündigem Flug erreichen wir Mauritius am nächsten Morgen gegen 05.30 Uhr. In der Ankunftshalle stehen Gepäckwagen bereit und außerhalb wartet schon der Bus. Das Gepäck wird dann auf das Dach des Reisebusses geladen. Als Hotel habe ich das Palmar Beach an der Ostküste ausgesucht. Nach dem Einchecken baue ich gleich den Motor zusammen und gehe mit dem Tank zur Rezeption um mir ein Taxi zu bestellen. Das Personal sieht es nicht gerne, wenn Benzin im Hotelzimmer deponiert wird, auch wegen des Geruchs, und so weiß ich nicht so recht, was ich als Zieladresse angeben soll. So sage ich halt "Shopping" im nächsten Ort. Es ist Sonntag und die erste angesteuerte Tankstelle hat geschlossen. Bei der nächsten habe ich Glück und tanke gleich mal 10 Liter. Den Tank verstaue ich in einer Plastiktüte in einem Rucksack. Zurück im Hotel werde ich mit neugierigen Augen betrachtet und ich sehe zu, den Lobbybereich schnellstens zu verlassen. Da die Familie jetzt auch Wünsche anmeldet, bin ich anschließend anderweitig beschäftigt. Erst am Abend komme ich dazu, den Motor mal im Probebetrieb laufen zu lassen, was ich neben dem Hotel in einem kleinen Wäldchen unternehme. Da Sonntag ist, sind die Strände auch von Einheimischen gut besucht und ich errege großes Aufsehen und werde umringt. Der Motor springt nach schnell an und ich lasse ihn zuerst mal warmlaufen. Dann nehme ich diesen auf den Rücken um den Schub zu testen. Windmäßig wäre sogar noch ein Flug möglich, aber da es bald dunkel wird, schaffe ich den Motor wieder auf das Zimmer.
29.01.2007: Schon um 05.00 Uhr bin ich auf den Beinen. Der Strand des Palmar Beach Hotels ist mit maximal 4 Metern zu schmal für einen Start. Aber etwa 300 Meter entfernt befindet sich das Beau Rivage Hotel und dieses hat durch eine vorgelagerte Landzunge einen auf den ersten Blick optimalen Startplatz. Leider sind auf dieser kleinen Landzunge auch zwei Beachvolleyballfelder abgesteckt, was den Startbereich nochmals einengt. Da für einen Checkflug in Deutschland keine Zeit war, muß ich die Steuerleinen kürzen, einige Trockenstarts machen, Gurtzeug mit Beinstrecker einstellen etc. Das Strandreinigungspersonal ist in der Zwischenzeit ebenfalls eingetroffen, welches mit einem Traktor den Strand reinigt und welchem ich ständig durch Positionswechsel ausweichen muß. Auch die ersten Touris sind da, welche mich neugierig beäugen. Der Wind ist jetzt fast eingeschlafen als ich gegen 8.00 Uhr zu meinem ersten Startversuch ansetze. Leider ein Fehlstart. Der Schirm bleibt aus unerfindlichen Gründen hängen. Ich verlängere die Steuerleinen nochmals und warte einen besseren Wind ab, ziehe den Schirm auf und gebe Vollgas. Schnell stelle ich fest, daß der Miniplane 125 weniger Schub als der Solo bringt. Ich benötige die gesamte Landzunge für den Startlauf und hebe erst knapp vor dem Wasser ab. Auch in der Luft muß ich Vollgas fliegen um die Höhe zu halten. Der Motor dreht sehr hoch und ist auch ziemlich laut. Ich kontrolliere die Steuerleinen, welche ich durch Unachtsamkeit einseitig eingestellt habe. In ruhiger Luft fliege ich die Küste in beiden Richtungen ab. Bei der Landung merke ich, daß die Flut einsetzt, denn die Landzunge beginnt langsam zu schmelzen. Ich kürze die eine Steuerleine und starte erneut. Der Wind ist immer noch sehr schwach und obwohl der Schirm jetzt schön hochkommt reicht die Startstrecke nicht mehr aus, da der Motor nicht genügend Schub bringt. Mit nassen Schuhen muß ich den Startlauf abbrechen. Ich packe zusammen. Im weiteren Tagesverlauf lebt der Wind stark auf und auch die Vorhersage der nächsten Tage läßt auf schlechtes Flugwetter schließen. So kommt es dann auch. Die nächsten 4 Tage herrscht Sturm mit Starkwind und Regen. Wir verbringen die Zeit damit, indem wir entweder am Hotelpool relaxen oder ich mit einem Mietwagen die Küste nach möglichen Startplätzen absuchen. Dabei mache ich auch einen Abstecher an die Westküste, wo der Ostwind durch das vorgelagerte Gebirge abgeschwächt wird. Aber auch da ist der Wind zu stark und kommt dazu noch von Land her. Die Strände sind zwar etwas breiter, reichen zum Start mit einem so schwachen Motor aber nur aus, wenn der Wind perfekt in ausreichender Stärke ansteht.
03.02.2007: Die Windvorhersage prognostiziert einen optimalen Südwestwind, welcher gegen Mittag Richtung Ost wechseln und im weiteren Verlauf zulegen soll. Ich packe meine Ausrüstung ins Auto und fahre am frühen Morgen Richtung Westküste. Dort entdecke ich durch Zufall auf der Karte einen Leuchtturm, welchen ich suche und finde. Der Leuchtturm befindet sich etwa 6 km östlich von Flic-en-Flac und steht auf einer etwa 30 Meter hohen Klippe. Gleich daneben befindet sich ein eingezäuntes verlassene Areal, welches sich als Startplatz eignen würde. Das Tor steht offen und so fahre ich in dieses Areal hinein. Der Wind steht optimal an, nur das viele Gestrüpp und die Steine bereiten mir Kopfzerbrechen. Ich schätze die benötigte Startstrecke ab und räume mit einer Machete diesen Bereich ab. Unterhalb der Klippe ist keine Landemöglichkeit, da die Wellen dagegen schlagen. Es besteht also ein gewisses Risiko, hier zu starten. Gegen 11.00 Uhr bin ich startbereit, ziehe den Schirm rückwärts auf, gebe Vollgas und hebe kurz vor der Klippe ab. Das Motörchen rattert und mit Vollgas geht es gleich zurück zur Klippe, um bei einem eventuellen Motorausfall nicht ins Wasser zu fallen. Es stehen schon viele Cumuli am Himmel, aber über Wasser in etwa 300 Metern Höhe ist es relativ ruhig. Ich fliege die Küste in beiden Richtungen ab und lande nach etwa einer Stunde wieder ein, da das Benzin knapp wird. Ich werde schon erwartet. Der Leuchtturmwärter hat mich gesehen und ist sehr neugierig. Er lädt mich zur Besichtigung seines Leuchtturmes ein. Da ich aber schnellstens wieder in die Luft möchte, schlage ich ihm vor, die Besichtigung später vorzunehmen. Um meine Sachen nicht unbeaufsichtigt zu lassen, bleibt er in der Nähe und gibt mir seinen Assistenten mit, um mir die nächstgelegene Tankstelle zu zeigen. Gegen 14.00 Uhr bin ich wieder in der Luft. Unter einer Wolke werde ich leicht naß und fliege schleunigst weg. Nach einiger Zeit wird es plötzlich auch über Wasser immer turbulenter. Starkem Steigen folgt starkes Sinken. Der Windsack signalisiert aber immer noch Seewind. Nach einiger Zeit habe ich dieses rauf und runter satt und lande. Nicht viel später ist es windstill und als ob jemand einen Schalter betätigt hätte, schlägt der Wind welcher vorher den Windsack als Seewind waagerecht in der Luft hielt, waagerecht auf Landwind um. Jetzt weiß ich auch, woher das Gebocke kam. Ich packe meine Sachen zusammen, verabschiede mich vom Leuchtturmwärter und fahre ins Hotel zurück. Die Fahrt zurück dauert etwa 2 Stunden.
04. und 05.02.2007: Viel Wind. Ich fahre die Ostküste entlang nach Lafayette. Dort befindet sich eine Landzunge mit Sandbank. Sonntags macht die einheimische Bevölkerung am Strand Picknick und alles ist voll besetzt. Selbst bei optimalen Windverhältnissen ist ein Start fast nirgends möglich, weil zu viel los ist. Am Montag hingegen ist nur die Strandreinigung da, welche den Abfall zusammenklaubt. Gegen 9.00 Uhr ist der Wind schon wieder zu stark. Ich packe trotzdem meinen Schirm aus und mache Aufziehübungen. Kurz darauf erscheint ein Franzose, welcher hier am Strand seinen Bungalow hat und eine Kiteschule besitzt. Auch er ist Gleitschirmflieger und fliegt an Tagen, an welchen der Wind zu schwach zum Kiten ist mit seinem Schirm an einem Berg ganz in der Nähe. Einige einheimische Piloten fliegen hier ebenfalls Motor und starten von dieser Landzunge aus.
Er erzählt mir, daß die beste Reisezeit von November bis Mitte Januar wäre. Ab Juli bis Ende Oktober wäre es zu kalt und windig. Während dieser Zeit lebt er in Frankreich.